„Die Feigheit der Frauen“ von Bascha Mika

erschienen 2011 bei C.Bertelsmann

(Kann ich jeder Frau und auch jedem Mann empfehlen zu lesen!)

Der Bruch

S.77 „Niemand redet heute mehr über Sexismus.

Und das ist wahrscheinlich auch gut so. Der Begriff klingt altbacken und riecht ein bisschen streng. Die einen erkennen Sexismus, wenn er ihnen begegnet. Und die anderen würden ihn nicht erkennen, egal, wie man ihn nennt. Er ist Alltag.

Und es ging ihm noch nie so gut. Er gehört zum Grundrauschen in der Gesellschaft und wird immer seltener bewusst wahrgenommen, weil er sich nicht mehr abhebt.

Er muss sich auch gar nicht mehr anstrengen, Mädchen und Frauen irgendwie zuzurichten. Er ist längst Teil ihres Denkens und Handelns. Sie machen bereitwillig mit. Ganz freiwillig.

Doch damit tanzen sie fröhlich in die Falle. Wenn Mädchen die Regeln der Modelzucht akzeptieren, sich deren Bilder als Selbstbilder aneignen, werden sie es auch im weiteren Leben tun. Später, an anderen Schnittstellen ihrer Biographie. Denn auch freiwillige Unterwerfung will gelernt sein. Und die üben sie gerade sehr schön ein.

Bereits junge Mädchen fangen an, dafür den Preis zu zahlen: Für die paradoxen Botschaften, mit denen sie konfrontiert sind. Einerseits werden sie durch die Weiblichkeitsbilder in der Öffentlichkeit immer wieder in alte Rollen zurückgestoßen, bis sie die nicht mehr nur erfüllen, sondern übererfüllen. Nicht nur versuchen, Weibchen zu werden, sondern gleich Superweibchen…“